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Monatsspruch Juni 2018

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.

Hebräer 13,2


Gedanken zum Monatsspruch


Luther übersetzt diesen Vers mit den Worten: Gastfrei zu sein, vergesst nicht. Das Wortspiel Luthers finde ich sehr gelungen. Mit „gastfrei“ meint er nicht, dass wir frei von Gästen sein sollen, sondern im Gegenteil frei für Gäste.

Der Hebräerbrief ist neben dem Römerbrief eines der theologisch dichtesten Bücher des Neuen Testaments. Der Schreiber des Briefes führt die Leser zu den Wurzeln der theologischen Fragen. Er deutet die Person, das Werk und das Opfer Jesu aus der Perspektive des Alten Testaments.
Der Schreiber des Hebräerbriefes bleibt aber nicht bei diesen sehr theoretischen Ausführungen, sondern im letzten Kapitel ermutigt er die Christen, ihren Glauben im Alltag konkret werden zu lassen. Was sie in ihrem Herzen und in ihren Gedanken erkannt haben, das soll sich im Alltag bewähren. Dazu gehört die Gastfreundschaft. Durch die Gastfreundschaft bringen wir unseren Glauben zum Ausdruck. Durch die Gastfreundschaft zeigen wir, dass wir einen Blick für unseren Nächsten haben, wir öffnen unser Haus, wir sind bereit, Zeit zu verbringen.
Gastfreundschaft war und wird immer ein aktuelles Thema sein. In einer Zeit der zunehmenden Individualisierung nicht nur von einzelnen Menschen, sondern auch von einzelnen Familien, werden auch wir Christen von diesem Zeitgeist nicht verschont. Umso wichtiger ist es, dass wir diese Ermutigung des Hebräerbriefes neu beherzigen: Der Glaube soll durch unsere Gastfreundschaft sichtbar werden. Warum?
Der Glaube ist zwar vom Wesen her etwas Persönliches, etwas zwischen mir und Jesus. Aber zum Wesen des Glaubens gehört auch die Gemeinschaft: Mit Jesus und mit anderen Christen. Zeit und Haus mit anderen zu teilen, gehört somit wesenhaft zum Glauben. Gastfreundschaft hat viele Gesichter. Sie kann Hilfe (Einladen von Einsamen), Gemeinschaft (Teilen das Glaubens) oder Glaubenszeugnis (Reden mit Ungläubigen über den Glauben) sein.

Der Schreiber des Hebräerbriefes erinnert im zweiten Teil des Verses an eine Begebenheit aus dem Leben Abrahams (1 Mose 18). Drei Männer kommen am Zelt von Abraham vorbei. Als er diese sieht, bittet er sie, bei ihm zu bleiben und seine Gäste zu sein. Diese drei Männer bringen Abraham eine wichtige Botschaft von Gott: Seine Frau Sarah wird in einem Jahr ein Kind gebären. Nach dieser Begegnung stellt sich heraus, dass diese drei Männer Engel waren.
Hätte Abraham diese drei Männer einfach ziehen lassen und sie nicht in sein Zelt eingeladen, dann hätte er womöglich eine wichtige Verheißung verpasst.

Die Menschen aus der Gemeinde oder der Nachbarschaft, die Flüchtlinge oder unsere Freunde sind vielleicht keine Engel. Aber in der Begegnung mit ihnen können wir etwas Wunderbares erleben. Etwas wodurch unser Leben, unser Glauben reicher wird und ohne die wir ganz bestimmt ärmer wären. So können diese Menschen doch zu Engeln für uns werden.

Pastor Johann Vollbracht










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