Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast, und wovon du völlig überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die vermögend sind, dich weise zu machen zur Seligkeit durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, auf dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke völlig geschickt.

2. Timotheusbrief 3, 14-17Oktober 2019

Am 31.10. feiern wir Reformationstag. Vielen ist der Sinn des Festes und die

Tragweite der „evangelischen Entdeckung“ kaum mehr verständlich, auch nach

dem groß und breit gefeierten 500-jährigen Jubiläum im Vorjahr. Das geht nicht

nur den vielen Konfessionslosen in Brandenburg so, auch wir heutige Christen

können uns schwer in die Kultur des ausgehenden Mittelalters hineinversetzen,

als die entdeckte „Freiheit des Christenmenschen“ eine Massenbewegung auslöste

und am gesamten gesellschaftlichen Gefüge, an der Berechtigung von Institutionen,

Ämtern und Ständen rüttelte. Und wer kann schon die Seelenqualen

eines Martin Luthers zwischen Blitz- und Turmerlebnis nachvollziehen?

Auch wir „Freikirchler“ sind Erben der Reformation und meinen sogar, dass sie

durch uns erst vollendet wurde. Wahrhaft reformatorisch ist jedoch nicht, stolz

auf sich, die eigene Leistung und die eigene Tauftheologie zu sein, sondern –

Soli deo gloria – allein Gott die Ehre zu geben und selber in Bewegung zu bleiben.

Sola scriptura - allein die Schrift; - sola gratia - nur durch die Gnade; - sola

fide - allein durch den Glauben; - solus Christus - nur Christus – das sind die

vier Grundsätze der immerwährenden Reform der Kirche, d.h. die Voraussetzungen

zu ihrer Erneuerung.

1) Sola scriptura - allein die Schrift, möchte betonen, dass die im Laufe der Jahre

oder Jahrhunderte entstandenen Lehrmeinungen („die Tradition“) nicht über

der Heiligen Schrift, der Bibel, stehen dürfen. Wir sollen vielmehr unsere gemeindlichen

Praktiken, Verhaltenskodizes und Standards hinterfragen. Wenn

sie sinnvolle Ausdrucksformen des Glaubens in früherer Zeit waren, heute aber

befremden, dann wollen wir sie lieber durch zeit- und kulturgemäße Formen

ersetzen. Aber wenn die Schrift klipp und klar Forderungen an mein Leben

stellt oder Aussagen über Wahrheiten trifft, die dem Mainstream, meinem Gefühl

oder Wünschen widersprechen, dann ist Gottes Wort maßgebend. Ich bin

in keiner christlichen Gemeinde groß geworden und in frühen Jahren nicht in

den Genuss guter Predigten gekommen. Als Jugendlicher habe ich dann aber

Gottes Weisheit und Kraft durch die Bibel erfahren. Ich kann bestätigen, was

Paulus an Timotheus schreibt, dass die Bibel den Weg zum Heil zeigt und Augen,

Herz und Hände für meine wirklichen Aufgaben öffnet. Lasst uns auch

gegen Widerstände festhalten, am ganzen Wort Gottes!

2) Sola gratia - nur durch die Gnade, will uns zusagen, dass wir allein durch den

Glauben an den sich erbarmenden Gott gerettet sind. Aus Gnade, einfach geschenkt.

Es zählt nicht die Erfüllung der eigenen Ansprüchen oder Erwartungen

anderer Christen. Es zählt nur, demütig genug zu sein, das Geschenk der Vergebung

anzunehmen. Lass Dich beschenken!

3) Sola fide - allein durch den Glauben, weist auf den Satz hin: „Dein Glaube

hat dich gerettet“ (Lk. 7,50). Nur der Glaube an Jesus Christus rettet uns vor

dem Verlorensein, der ewigen Gottesferne. Der Glaube des Menschen ist die

richtige Antwort auf die angebotene Gnade Gottes. Er ist das Gehen durch eine

bereits weit geöffnete Tür. Ich möchte dir Mut machen, den Schritt zu setzen –

er ist ganz einfach und überaus lohnend!

4) Solus Christus - nur Christus, erinnert an das Wort der Schrift: „Es ist in keinem

andern das Heil; denn es ist auch kein andrer Name unter dem Himmel für

die Menschen gegeben, durch den wir gerettet werden sollen“ (Apg. 4,12). Bei

aller Wertschätzung fremder Menschen und Kulturen, wir dürfen ihre Götter

und Heilswege ablehnen und ihre Religion als Irrtum oder Täuschung bezeichnen.

Allein Christus bedeutet aber auch, dass er mir in allen Dingen Vorbild

und König sei. Hierbei merke ich, wie reformbedürftig ich selber bin.

Weil der Lebensalltag und die Probleme eines Martin Luthers mir so fern sind,

versuche ich, am Reformationstag mein eigenes geistliches Aha-Erlebnis zu

feiern und neu wertzuschätzen: Den Zeitpunkt oder die Phase, als die alten Sicherheiten,

Rechtfertigungen und Erklärungen hinfällig und Christus mir alles

geworden ist („Bekehrung“). Im Rückblick soll mir diese damals so begeisternde

Erfahrung wieder neu Mut geben, Jesus vor anderen Menschen und ungeachtet

der Folgen zu bekennen.

Falko Hornschuch