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Monatsspruch März 2017

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die
Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott;
ich bin der HERR.

3. Mose 19, 32


Gedanken zum Monatsspruch

Ehre, wem Ehre gebührt“ heißt es in unserer Sprache. Aber was ist Ehre
und wem gebührt sie?
Die Ehre ist eine Medaille mit zwei Seiten. Die eine Seite der Ehre ist die
Selbstachtung: Durch meine Persönlichkeit, meinen Charakter, meine
Leistungen im weitesten Sinne bringen ich in meinem Umfeld meinen
Wert zum Ausdruck. Die andere Seite der Ehre ist die Notwendigkeit der
Anerkennung meines Wertes durch mein Umfeld.
Zusammengefasst bedeutet die Ehre, dass ich darauf bedacht bin, dass ich
vor den Menschen gut dastehe, gute Leistungen bringe, Erwartungen und
Normen entspreche und ihnen keinen Grund liefere (Versagen, kriminelle
Handlungen, usw.) meinen Wert, meine Ehre nicht anzuerkennen.
Die andere Seite ist aber, dass meine subjektive Ehre immer wieder die
Bestätigung und die Anerkennung seitens meines Umfeldes braucht. Wenn
diese Anerkennung nicht kommt, ignoriert oder verweigert wird, dann reden
wir von der Verletzung der Ehre. Dieses Zusammenspiel ist ein natürlicher Prozess in der Gesellschaft. Jeder von uns ist darauf bedacht, seine Persönlichkeit zu entwickeln und sein subjektives Ehrgefühl zu stärken. Und jeder von uns hofft auf die entsprechende Anerkennung von so vielen Menschen wie möglich.
Warum fordert Gott in unserem Monatsspruch, dass besonders ältere Menschen
zu ehren sind? Es gehört zum Lebenszyklus eines jeden Menschen, dass seine Kraft und Leistungsfähigkeit im Laufe seiner Jugendzeit stetig zunimmt. Mit dem
Zuwachs seiner Leistungsfähigkeit gewinnt er immer mehr auch an gesellschaftlicher Anerkennung. Im mittleren Erwachsenenalter erreicht der
Mensch den Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit und damit auch den Höhepunkt
seiner Anerkennung. Nach diesem Höhepunkt geht das Leben weiter.
Aber seine Leistungsfähigkeit befindet sich nun auf dem absteigenden
Ast und damit auch seine gesellschaftliche Anerkennung.
Das graue Haar ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Mensch deutlich
über dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit befindet. An diesem
Punkt erfahren ältere Menschen häufig folgendes: Je weniger Signale der
Leistung sie senden können, umso weniger werden sie anerkannt und
schließlich geehrt. An dieser Stelle greift das Wort Gottes ein. Das soll unter Christen nicht geschehen. Auch wenn jemand alt geworden ist und seine Haare (die noch da sind) grau geworden sind, soll die Person geehrt werden. Sie soll für ihr Lebenswerk geehrt werden! Jeder Mensch im (hohen) Alter hat Großes
geleistet. Wieviel hat er im Laufe des Lebens gearbeitet, Kinder großgezogen,
viel Zeit und Energie in die Gemeinde investiert, viele Nöte, Probleme,
Herausforderungen durchgestanden und gemeistert! Diese Lebensleistung
verdient eine dauerhafte Anerkennung. Wenn wir also vor Menschen mit grauem Haupt stehen, sollen wir auf ihre Lebensleistung schauen und sie ehren. Für sie ist es gerade in Zeiten der abnehmenden Leitungsfähigkeit so wichtig, dass wir ihnen diese Anerkennung geben und sie mit Worten und Gesten ehren.
In der Hektik des Alltages werde ich oft dazu verleitet, die leistungsfähigen
Menschen zu sehen und zu ehren. Ich muss Buße tun, weil ich den Senioren
(auch unserer Gemeinde) nicht immer die nötige Ehre entgegengebracht
habe. Ehre wem Ehre gebührt. Die Senioren, Menschen mit grauem Haupt haben
sie auf jeden Fall verdient. Diese Ehre soll auch ein Zeichen unseres Glaubens
sein. Im Zusammenhang dieses Themas möchte ich auch zwei Unklarheiten ansprechen:
Wie die Senioren, so sind auch besonders Kinder und Jugendliche auf unsere
Anerkennung angewiesen. Sie können noch nichts Besonderes leisten.
Sie befinden sich im Wachstum, sie entwickeln sich, lernen, machen dabei
Fehler und verhalten sich gelegentlich nicht immer respektvoll. Mit einem
Wort: sie senden keine Signale und Ergebnisse für die sie geehrt werden
könnten. So dachten auch die Jünger: „Was haben Kinder bei Jesus zu suchen?
Sie sind doch keine ehrwürdigen Menschen, die Aufmerksamkeit
verdienen!“ Aber - Jesus hat die Kinder geehrt, indem er sie ernstgenommen
und gesegnet hat. Damit Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeit
wachsen können und nicht an sich selbst zweifeln, brauchen auch sie
ganz besonders unsere Anerkennung und Ehre.
Die zweite Unklarheit in den allgemeinen gesellschaftlichen Normen besteht
darin, dass Menschen mit grauen Haaren gelegentlich der Meinung
sind, dass sie zu ehren sind, aber sie selbst davon ausgenommen sind, andere
zu ehren. Auch wenn Senioren wegen ihrer Lebensleistung zu Recht
eine Anerkennung erwarten können, dürfen sie nicht vergessen, dass sie
nicht davor befreit sind, andere Menschen, unabhängig vom Alter, zu ehren.
In unserem Nachdenken über das Thema „Ehre“ spielt unser Glaube die
wichtigste Rolle: Wir glauben, dass der Wert eines jeden Menschen in erster
Linie nicht davon abhängig ist, was er geleistet hat oder noch leisten
kann. Wir glauben, dass jeder Mensch eine wunderbare, einmalige Schöpfung
Gottes ist und dadurch unendlich wertvoll. Wenn ich einen Menschen,
unabhängig vom Alter und von Leistung, ehre, dann ehre ich eigentlich
seinen Schöpfer, Jesus Christus. Deshalb sagt Jesus, dass er
selbst in einem Gefangenen, Kranken, Armen zu erkennen und zu ehren
sei.
Ehre, wem Ehre gebührt – also allen Menschen und unserem Schöpfer, Jesus
Christus.

Johann Vollbracht











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