
Hebräer 13,3Ju8ni 2026
Der Autor des Hebräerbriefes wollte wohl unerkannt bleiben, denn er nennt
sich nirgendwo im Brief mit Namen. Nun kommt er in Kapitel 13 zu den
abschließenden Bemerkungen und wir erfahren über ihn: er schreibt anscheinend
aus Italien (V. 24) und er kennt wohl den Timotheus, der gerade
aus dem Gefängnis entlassen wurde (V. 23). Es war ihm nicht wichtig, dass
wir seinen Namen kennen sollten. Aber die „brüderliche Liebe“ (13,1) und
wie sie konkret unter uns sichtbar wird, das war ihm offensichtlich wichtig.
Brüderliche Liebe wird unter anderem in der Gastfreundschaft sichtbar (V.
2) und auch darin, dass wir mit Gefangenen und Misshandelten Mitleid
haben, d.h. mit ihnen und ihrer Situation mitempfinden.
Die Erwähnung von Timotheus, der gerade aus der Haft kommt, gibt uns
dazu einen hilfreichen Kontext. Mit christlicher Gemeinde damals war es
wie heute in China: hat die Regierung in China den Eindruck, dass die
Hauskirchen zu zahlreich werden und überhand nehmen, dann sammeln sie
einige Hauskirchenleiter ein und schicken sie ins Gefängnis. So wollen sie
vermeiden, dass Gemeinde Jesu zur Konkurrenz wird für die geistige und
seelische Macht der kommunistischen Partei. Das ist auch der Grund,
warum zu der Zeit, als dieser Brief geschrieben wurde, Timotheus gerade
„wieder frei“ war. Er ist aus ähnlichen Gründen gefangen genommen und
nun wieder frei gelassen worden. Die zerstreuten messianischen Christen
der damaligen Zeit sollen sich darüber freuen, und gleichzeitig an die
Geschwister im Glauben denken, die noch immer inhaftiert sind „als wärt
ihr mitgefangen“.
Es ist sehr hilfreich, dass das Missionswerk „Open Doors“ dieses Anliegen
unter uns wach hält. Regelmäßig wird in ihrem Freundesbrief darüber
informiert, wenn Christen wegen ihres Glaubens inhaftiert oder misshandelt
werden. Durch Open Doors haben wir die Möglichkeit uns für sie einzusetzen,
durch praktische Hilfen, durch Gebete, durch Briefe an Regierende, die
sie inhaftiert haben.
Damals war es in der Regel so: ein Gefangener wurde nicht vom römischen
Staat versorgt, oder wenn, dann nur äußerst dürftig: denkt an einen Häftling
in einem KZ. So war es nötig, dass Angehörige, oder Geschwister im
Glauben, diese Gefangenen besuchten, mit dem was sie zum Leben nötig
hatten: Essen und Trinken, warme Kleidung und Decken für die Nacht, tröstende
Worte. Kam diese Hilfe nicht, so standen Gefangenen in der Gefahr
an ihren Entbehrungen zu sterben. Hier bat sich für die frühe Gemeinde die
Möglichkeit, ihren Nächste zu lieben wie sich selbst. Mag ich keine Kälte
nachts? Dann bringe ich dem Bruder im Gefängnis eine Decke mit. Hasse
ich Hunger und Durst? Dann soll von meinem Essen etwas für ihn abgezweigt
werden.
Damals wie heute zeigt sich unser Glaube in solchen konkreten Taten der
Fürsorge für Menschen, vor allem Glaubensgeschwister, die in Not sind. So
erfüllt sich das Wort unseres Herrn: „Denn ich war hungrig und ihr habt mir
zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich
war fremd und ihr habt mich bei euch aufgenommen; ich war nackt und ihr
habt mir etwas anzuziehen gegeben; ich war krank und ihr habt mich versorgt;
ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.“ Mt. 25,35 – 36.
Was wir für Notleidende tun, das tun wir für Jesus!
Alan Gross