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Der Herr aber richte eure Herzen aus
auf die Liebe Gottes
und auf das Warten auf Christus.

2 Thessalonicher  3,5 November 2021

Gedanken zum Monatsspruch

Christen können ganz verschieden darauf reagieren, dass sie in dieser
Welt Leid und Verfolgung durch weltliche Regierungen erleben.
Zur Zeit der ersten Kirche ging es der Gemeinde in Thessalonich
wie vielen Gemeinden heute, die in kommunistischen oder islamischen
Ländern wohnen. Sie litten unter einer ständigen Verfolgung
oder Benachteiligung aufgrund ihres Glaubens. Paulus sagt uns in
einem kurzen „Slogan“ (Spruch/Parole), wie wir mit einer solchen
Situation als Nachfolger Jesu umgehen sollen: Wir sollen sehnsüchtig
auf die Wiederkunft unseres Herrn warten, weil wir wissen,
dass nur seine Wiederkunft die endgültige Erlösung aus dem Chaos
dieser Welt bedeutet. Dabei sollen wir unsere Herzen auf die Liebe
Gottes ausrichten. Das heißt für mich: in dieser Welt von Gott Liebe
empfangen und an unsere Mitmenschen weitergeben.
Einige in Thessalonich hatten eine andere Strategie gewählt: sie
hatten sich schon innerlich von dieser Welt verabschiedet, haben
aufgehört zu arbeiten, drehten Daumen und warteten darauf, von
Jesus aus der Welt „gerettet“ zu werden. Sie waren mit den Menschen
zu vergleichen, die bei einer Flut auf dem Dach ihres Hauses
sitzen und nur noch darauf warten, dass sie von einem Helikopter
abgeholt werden. Paulus bezeichnet die Lebensweise dieser Geschwister
in Thessalonich als „unordentlich“ und „nicht nach der
Überlieferung, die ihr von uns empfangen habt“.
Im Gegensatz dazu prägt Paulus den Grundsatz: „Wer nicht arbeiten
will, der soll auch nicht essen.“ (2. Thess. 3,10) Auf Jesus warten,
arbeiten, tätige Liebe üben; das ist die Empfehlung des Apostels
für uns. Weltflucht also, sich äußerlich oder innerlich aus dieser
Welt zu verabschieden und nur noch in „himmlischen Sphären“
zu leben, das ist kein Leben nach dem Vorbild Jesu oder der Apostel.
Jesus und die Apostel haben sich ja auch nicht in Klöster oder
in Höhlen mitten in der Wüste zurück gezogen und nur noch drauf
gewartet, dass Jesus sie mit seinem himmlischen Hubschrauber abholt.
Ich sehe aber unter Christen, unter Jesusnachfolgern eine andere
Versuchung. Es ist die Versuchung, sich so stark in politische Konflikte
einzumischen, dass man Teil einer Revolution, eines militärischen
Konflikts wird. Statt geduldig darauf zu warten, dass Gott die
Verhältnisse ändert, oder Veränderungen mit friedlichen Mitteln
anzustreben, haben Christen durch alle Jahrhunderte auch diesen
Fehler gemacht. Sie meinten, durch gewaltsame Einsätze, durch
den Einsatz von Waffen, Gutes für die Welt oder für die Menschen
erreichen zu können. So wird man aber Teil des vergehenden Systems
dieser Welt, Teil des Problems. So übt man nicht Liebe Gottes
aus. So wie ich die Schrift verstehe, sollen Christen keine Revoluzzer
mit Waffengewalt sein. Denn unser Herr sagt: „Gesegnet sind
die Friedensstifter“.
Gott gebe uns die Weisheit, in dieser Welt in Liebe tätig zu sein,
ohne uns in irgendwelche unbiblischen, unchristlichen Extreme zu
verlieren. Dazu gehört die Weltflucht. Dazu gehört aber auch die
Teilnahme an gewaltsamen politischen Bewegungen.
Wir wollen weiterhin sehnsüchtig auf Jesu Wiederkunft warten, und
dabei in dieser Welt in Liebe tätig sein.

Alan Gross