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Du bist ein Gott, der mich sieht.

1. Mose 16,13Januar 2023

Mit der Jahreslosung von 2023 werden wir sofort mitten in das Drama
des Lebens von Abram und Sarai hineingenommen. Abram hat
die Verheißung von Gott empfangen, dass aus ihm und seinen Nachkommen
ein großes Volk werden soll. Nun sind einiger Jahre seitdem
vergangen, und Sarai, seine Frau ist noch immer unfruchtbar.
So greift Sarai zu einem bewährten Mittel in der damaligen Kultur:
ihre Magd Hagar, eine Leibeigene, soll sich als Leihmutter zur Verfügung
stellen. Wenn ihr Kind auf dem Schoß der Herrin geboren
wird, gehört das Kind dann auch der Herrin.
Das erscheint uns vielleicht als grausam und ungerecht. Aber gleich
erfahren wir, warum Hagar, die Magd, trotzdem die besseren Karten
hat: sie ist schwanger, sie gebärt ihrem Herrn Abram ein Kind!
So weiß sie, dass sie es sich leisten kann stolz auf ihre Herrin herunterzuschauen.
Sie ist weiterhin die Magd, hat aber in der damaligen
Gesellschaft doch die höhere Stellung: sie ist fruchtbar, ihre
Herrin nicht! Das lässt sie Sarai richtig spüren! Die Rache der Unterlegenen!
Das lässt Sarai nicht auf sich sitzen. Sie hat das Ganze eingefädelt,
jetzt wirft sie es aber ihrem Mann Abram vor, dass sie in so eine
schwierige Lage gekommen ist und fordert ihn auf, etwas dagegen
zu unternehmen. Sarai darf mit ihrer Magd machen, was sie will. So
macht sie das Leben Hagars zur Hölle, sodass sie es nicht mehr aushält
und in die Wüste flieht. Das alles bereitet die Bühne vor für ein
beeindruckendes Gespräch, das sich nun zwischen Hagar und dem
Engel des Herrn ereignet.
Diese Geschichte ist aus mehreren Gründen erstaunlich, faszinierend.
(1) Es ist das erste Mal, dass der Engel des Herrn in der Bibel
mit einer Frau spricht, und es ist ausgerechnet Hagar, die Mutter
Ismaels, und nicht Sarai. (2) Die Parallelen zur Geschichte von Maria
im NT sind erstaunlich. Der Engel sagt zu Hagar: „Siehe, du bist
schwanger geworden und wirst einen Sohn gebären, dessen Namen
sollst du Ismael nennen.“ Klingt das nicht bekennt? (3) Auch der
Hagar verspricht der Engel des Herrn zahlreiche Nachkommen, wie
früher Abram: „Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der
großen Menge wegen nicht gezählt werden können.“ Ihr Sohn Ismael
wird der Vater von 12 Söhnen werden, wie später Jakob.
Für uns vielleicht am wichtigsten: Hagar wird durch ihr Erleben unsere
Stellvertreterin, sie hält uns allen ein Spiegel vor. Nach
schweren Schicksalsschlägen begegnet ihr Gott und fragt: „Wo
kommst du her und wo willst du hin?“ Kommen wir nicht alle irgendwann
im Leben an diesen Punkt, wo Gott uns diese wichtige
Frage stellt? Es ist mehr als nur die Frage nach ihrem Wohnort und
ihrem Reiseziel. Es geht um die Gesamtrichtung ihres Lebens.
Welche Antwort findet Hagar auf diese dringende Frage? Sie ist vor
einer rachsüchtigen Herrin geflohen, und wird vom Engel am Ende
dahin zurück geschickt? Hat sich an ihrer Lage also nichts geändert?
Doch, denn sie hat erfahren welcher Gott es ist, der sie dabei begleitet:
„Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete:
Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Er ist der Gott, der sie sieht!
Und der Name ihres neugeborenen Sohnes trägt eine zweite Botschaft:
Ismael bedeutet „Gott hört“! Der Gott der sieht und der
Gott der hört, geht mit, so kann sie in die gleiche Situation wie
vorher zurückkehren, und es ist doch nicht die gleiche Situation.
Diese Erkenntnis nimm mit für das beginnende Jahr 2023: Der Gott
der sieht, der Gott der hört, geht mit, egal woher du kommst, egal
wohin dein Weg führt.

Alan Gross